INNOVATIV DENKEN.SICHER VERSORGEN.

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Jahresbericht vorgelegt: GGEW AG zieht Bilanz für das Geschäftsjahr 2022
Bei der Bilanz-Pressekonferenz der GGEW AG: Uwe Sänger, technischer Bereichsleiter; Dr. Michael Lomitschka, kaufmännischer Bereichsleiter; Carsten Hoffmann, Vorstand; Simone Marder, Bereichsleiterin Marketing & Kommunikation; Florian Grob, Bereichsleiter Erneuerbare Energien; Rainer Babylon, Bereichsleiter Vertrieb & Services (v. l.); Foto: GGEW AG/Marc Fippel Fotografie

Bensheim. „Innovativ denken. Sicher versorgen. Unser Beitrag für ein klimaneutrales Leben.“ So titelt der am 24. Juli 2023 in der Bilanz-Pressekonferenz vorgestellte Jahresbericht 2022 des südhessischen Energiedienstleisters GGEW AG. Vorstand Carsten Hoffmann erklärt: „Das vergangene Geschäftsjahr war ohne jeden Zweifel eines der herausforderndsten Jahre, denen wir uns je ausgesetzt sahen. Jede und jeder Einzelne von uns musste erkennen, wie verletzbar die deutsche Energieversorgung sein kann und welche Folgen eine zu große Abhängigkeit mit sich bringt. 2022 hat uns aber auch vor Augen geführt, dass der Weg, den wir als GGEW AG bereits vor vielen Jahren eingeschlagen haben, genau der richtige ist. Der beschleunigte Ausbau der Erneuerbaren Energien. Der Weg in die Klimaneutralität. Wir stützen uns dabei auf einen Langfristplan und arbeiten hart daran, bis etwa 2035 als Unternehmen klimaneutral zu werden. Und um auch in Zukunft die Versorgungssicherheit gewährleisten zu können, genügt es nicht, sich auf den eigenen Lorbeeren auszuruhen. Es braucht einen stetigen Fluss innovativer Ideen und Ansätze. Einer davon ist aktuell die angestrebte Fusion der GGEW AG mit der ENERGIERIED in Südhessen. Sie wird ein wichtiger Meilenstein sein auf unserem Weg in die Klimaneutralität und ein Beitrag zu mehr Sicherheit in unsicheren Zeiten.“

Bilanz 2022
Wirtschaftlich gesehen ist die GGEW AG besser durch das vergangene Geschäftsjahr gekommen als gedacht. Sie ist mit einer guten Vernetzung zwischen Energieeinkauf, Vertrieb und Controlling in den Markt gegangen. „Unsere Beschaffungsstruktur ist robust und belastbar und hat uns sehr geholfen, ebenso wie unser Portfolio im Bereich Erneuerbare Energien. Die GGEW hat sich krisenfest gezeigt“, erklärt Carsten Hoffmann. Das Unternehmen wird die Ausschüttungserwartungen seiner kommunalen Eigentümer und Anteilseigner erneut erfüllen. Diese Gelder kommen letztendlich den Menschen in der Region zugute.

Wirtschaftlicher Verlauf 2022
Das Geschäftsjahr 2022 war – bedingt durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine – besonders geprägt durch auf hohem Niveau stark schwankende Großhandelspreise an den Spotmärkten für Gas und Strom. Dies hatte im Jahr 2022 für die GGEW AG aufgrund einer professionellen Beschaffungsstrategie nur geringe negative Auswirkungen. Im Geschäftsjahr 2022 verzeichnet der Energieversorger einen Umsatz in Höhe von 225,0 Mio. Euro (2021: 224,7 Mio. Euro). Die gesamte Stromabgabe an Letztverbraucher liegt bei 493 Mio. kWh gegenüber 553 Mio. kWh im Vorjahr. Die gesamte Gasabgabe an Letztverbraucher liegt bei 1.084 Mio. kWh (2021: 1.397 Mio. kWh). Die Wasserabgabe war 2022 mit 3 Mio. m³ nahezu unverändert (2021: 3 Mio. m³). Im zurückliegenden Geschäftsjahr 2022 produzierten die Windparks der GGEW aufgrund des gegenüber dem langjährigen Mittel niedrigeren Windangebots in Verbindung mit einer geringeren technischen Anlagenverfügbarkeit weniger Strom als im Vorjahr. Diese Mindererträge konnten jedoch in der Stromvermarktung durch steigende Energiepreise an der Börse überkompensiert werden. Das hat dem Versorger insgesamt geholfen, die Auswirkungen der Energiemarktkrise zu meistern. Die Sonneneinstrahlung unserer Freiflächen-Solarparks – und damit der Ertrag – lag im Geschäftsjahr 2022 über dem prognostizierten langjährigen Mittel. Obwohl das große Schwimmbecken des Bensheimer Basinus-Bads wegen des Einbaus eines neuen Edelstahlbeckens von Juli bis November 2022 nicht zur Verfügung stand, lag die Anzahl der Badegäste mit 324.357 (inkl. Badesee Bensheim) deutlich über der Vorjahreszahl (120.413), die noch durch die pandemiebedingten Eindämmungsmaßnahmen negativ beeinflusst wurde.

Neue Produkte / Service
Der Vertrieb der GGEW AG wandelt sich immer mehr vom reinem Strom-, Gas- und Wasserdienstleister zum Anbieter von Energie-, Internet- und Mobilitätsprodukten. Hoffmann erklärt: „Die neuen Geschäftsfelder haben sich positiv entwickelt. Das E-CarSharing hat sich gut etabliert. Für den Verkauf von PV-Anlagen konnten wir etliche Großkunden akquirieren und auch das PV-Verpachtungsgeschäft hat deutlich zugelegt.“ Allerdings haben die Energiemarktkrise und die Umsetzung der staatlichen Maßnahmen den Bereich Vertrieb & Services vor große Herausforderungen gestellt. Zudem kamen gut 2.000 neue Abnahmestellen hinzu – Verbraucher, die nach der plötzlichen Insolvenz oder des Marktrückzugs ihrer ehemaligen Anbieter ohne Lieferanten waren und bei der GGEW AG als Grundversorger unterkamen. Wie war die Lage im Geschäftskundenvertrieb? Die bereits Ende 2021 auftretenden Marktverwerfungen beim Handel von Energiemengen erreichten ihren Höhepunkt nach Beginn des Ukraine-Kriegs im Sommer 2022. Eine hohe Preisvolatilität sowie illiquide Handelsmärkte führten dazu, dass der Geschäftskundenvertrieb zeitweise auch langjährige B2B-Bestandskunden nicht mehr mit Angeboten bedienen konnte. Aus der Situation heraus, die sowohl für die GGEW AG als auch für die Kundeseite eine extreme Belastung darstellte, entwickelten Geschäftskundenvertrieb und Handel in enger Zusammenarbeit erfolgreich neue Kundenlösungen. So können leistungsgemessene Geschäftskunden seitdem auch zu Konditionen der Tagesbörsenpreise versorgt werden oder Zielpreise für einzelne Lieferzeiträume vereinbaren.

Ausbau Erneuerbarer Energien
Das gesamte von der GGEW AG geführte Erzeugungsportfolio für regenerative Energien umfasst 45 Windenergieanlagen und 38 PV-Anlagen mit insgesamt 120,9 MW installierter Leistung. Die GGEW AG treibt den Ausbau der Photovoltaik weiter voran. In der Planung befinden sich Solarparks in Lampertheim, Wald-Michelbach, Bensheim und Laudenbach sowie das bisher größte PV-Dachflächenprojekt auf einem gewerblichen Hallenbau in Bensheim.

Glasfaserausbau
Die GGEW AG sorgt mit dem Ausbau ihres Glasfasernetzes für sehr schnelles und stabiles Internet in der Region Bergstraße/Odenwald. Carsten Hoffmann betont: „Wie liegen bei unseren Ausbauzielen im Plan und haben dafür letztes Jahr Kooperationsvereinbarungen mit den Städten Bensheim, Zwingenberg und Lorsch geschlossen und mit Heppenheim im April 2023.“

Netzbetrieb
„Die Versorgungssicherheit ist unser oberstes Ziel“, betont der GGEW-Vorstand. Daher laufen permanent Sanierungsmaßnahmen in den Verteilnetzen für Strom, Gas, Wasser, Wärme und Telekommunikation. Die dramatische Entwicklung, insbesondere die zeitweise drohende Gas-Mangelsituation, traf die GGEW AG nicht unvorbereitet. Der Energieversorger kann auf ein professionelles Krisenmanagement zurückgreifen. „Übungen unseres Krisenstabs haben das Team auf den Ernstfall vorbereitet, der dann aufgrund des milden Winters zum Glück nicht eingetreten ist“, so Hoffmann.

Ausblick und Fazit
„Eine Prognose für den Verlauf des restlichen Jahres abzugeben ist nicht einfach“, betont GGEW-Vorstand Carsten Hoffmann. Auch das Geschäftsjahr 2023 wird aufgrund weiterhin volatiler Energiepreise und hoher Inflation herausfordernd, sodass die Unsicherheit bei der Planung hoch ist. Wie herausfordernd die Energieversorgung im kommenden Winter wird, hängt vor allem von der Verfügbarkeit von Flüssiggas (LNG) ab. Der Wegfall des russischen Pipeline-Gases wurde 2022 kompensiert durch den Aufbau eigener LNG-Terminals und eine verstärkte Einfuhr von Flüssiggas, vor allem aus den USA. Dies wurde begünstigt durch die wirtschaftliche Schwäche Chinas, das aber im Dezember 2022 seine Null-Covid-Strategie abrupt beendet hat und mit anziehender Konjunktur die Nachfrage auf dem weltweiten LNG-Markt wieder in die Höhe treiben könnte. Sollte der kommende Winter ähnlich mild verlaufen wie der letzte, würden die Gasspeicher nicht vollständig beansprucht werden. Bei mittleren bis kalten Temperaturen hingegen könnte die Einhaltung der gesetzlichen Füllstandsvorgaben schwierig werden.In der Gassparte liegt der Bezug der GGEW AG im ersten Quartal durch im Vergleich zum Vorjahr geringere Planmengen, leicht niedrigere Gradtagszahlen und den Einsparbemühungen der Kundinnen und Kunden nur bei 58 % des Vorjahreswerts. Beim Strombezug sind es 73 % des Vorjahreswerts. Die Winderträge lagen im ersten Quartal 2023 gut 12 % über den Planwerten, was vor allem an den windreichen Monaten Januar und März lag, während der Februar sich fast auf dem Niveau des windarmen Jahres 2021 befand. „Viele Maßnahmen, die von der GGEW in der Vergangenheit durchgeführt wurden, haben es ermöglicht, dass wir die schwierigen Phasen der Jahre 2020 bis 2023 sehr gut steuern konnten. Dies ermöglicht weiteres Wachstum in der Stammregion“, sagt Carsten Hoffman. So wird die GGEW im August 2023 mit ihrer langjährigen Partnerin ENERGIERIED fusionieren, was sowohl die Wertschöpfungsstufen Vertrieb als auch Netz stärken wird. Das geplante Investitionsvolumen für 2023 in die Versorgungsanlagen beträgt 13,7 Mio. Euro. Auf die gesamten Strom-, Gas- und Wassernetze entfallen rund 4,9 Mio. Euro zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit. Weiterhin beabsichtigt die GGEW AG, rund 6,0 Mio. Euro in den Ausbau der Glasfasernetze zu investieren, um die Region in die digitale Zukunft zu führen.